SANGERHAUSEN (ul). Konzentriert wie immer nahm Thüringens Vize-Landesmeister Marco Nolze (KSV Roßleben) am Samstag 10.15 Uhr seine bisher größte Herausforderung an. Uwe Lewinski hatte ihn vorm Start der Deutschen A-Jugend-Einzelmeisterschaften mental vorbereitet. Augenscheinlich war aber der Trainer aufgeregter als sein Schützling.

Marco begann mit einem Feuerwerk (232). Was sollte da dem Einzug ins Finale noch im Wege stehen? Aber plötzlich war der Faden weg. Marco spielte viel auf die Mitte und im Abräumspiel auf der zweiten Bahn fünf Fehlwürfe. Am Ende standen 433 Punkte. Zittern war angesagt. Von den 30 Startern würden sich 16 für das Finale am Sonntag qualifizieren. Die Roßlebener fuhren nach Hause, ließen sich jedoch von der Thüringer Landesjugendwartin die Handy-Nummer geben. Um 21.10 Uhr stand fest: Marco stand als Vierzehnter im Finale. Der größte Erfolg der Geschichte des Kegelsportvereins 1992 Kali Roßleben war schon besiegelt.

Am Sonntag um 8 Uhr musste Marco im ersten Durchgang auf die Bahn. Leider fehlte in der sonntäglichen Frühe die Roßlebener Unterstützung. Kein einziger KSV-Kegler war nach Sangerhausen angereist. Da sind Voigtstedts Kegelfreunde aus anderem Holz geschnitzt: Ohne eigenen Starter zeigten sie trotz einer Feier am Vortag Flagge und stärkten Marco Nolze den Rücken.

Marco war cool wie immer. Als wäre es das Normalste der Welt, in einem Finale zu stehen. Dann ging wieder die Post ab. 157 Volle auf Bahn eins ließen auf das Größte hoffen. Erster Anschub in die Abräumer: Sieben. Gut. Dann zwei Fehlwürfe und plötzlich Nerven. 219 Holz mit 62 Abräumern und drei Fehlwürfen. Zu wenig geräumt. Aber wer Marco kennt, der weiß, dass er kämpft. Auf Bahn zwei standen 158 Volle zu Buche. Diesmal begann das Abräumspiel mit einer Glatten (9). Am Ende 80 Abräumer und ein Gesamtergebnis von 457 Holz. Es hätten 470 sein können.

Doch für Uwe Lewinski stand ungeachtet der folgenden starken Gegner fest: Ein einstelliger Platz müsste drin sein. Als Durchgangsbester war Marco schon mal Dreizehnter. Im nächsten Durchgang wurde Marco nur einmal (462) übertroffen. Platz zehn war sicher. Im dritten Durchgang wurde Marco vom Treppchen gespielt. Der Thüringer Landesmeister, Marcos Kumpel Steffen Kraus vom Eisenacher KV 95, spielte durch solides Abräumspiel und ohne Fehlwurf 465 Holz. In seinem Schatten erzielte Titelverteidiger Oliver Kupp (KR Zweibrücken) 461 Holz und verdrängte Marco auf den vierten Platz.

Vor dem letzten Durchgang war also Platz acht und der größte Erfolg für einen Nachwuchskegler aus dem Kyffhäuserkreis schon perfekt. Womit dann aber keiner rechnete, war, dass im letzten Durchgang – es spielten die Besten aus der Qualifikation – niemand mehr an Marcos 457 Holz heran kam. Marco blieb Vierter. Klasse und schade!

Acht Holz, und der große Wurf wäre geglückt. Am Ende überwog die Freude.